WLAN Richtfunk & Bridge: So verbindest du zwei Gebäude stabil miteinander


Aktualisiert am: 21. April 2026 | Lesezeit: ca. 6 Minuten | Dein Experten-Guide für Netzwerktechnik

Du möchtest das Bürogebäude mit der Produktionshalle vernetzen oder das heimische WLAN in das 100 Meter entfernte Gartenhaus bringen, ohne Gräben für Erdkabel ziehen zu müssen? Die Lösung lautet: Punkt-zu-Punkt WLAN (WLAN Bridge / Richtfunk).

Dank moderner Technologien lassen sich Distanzen von wenigen Metern bis hin zu über 30 Kilometern überbrücken – und das mit Datendurchsätzen, die einer Glasfaserverbindung in nichts nachstehen.


Grundvoraussetzung: Line of Sight (Sichtverbindung)

Die wichtigste Regel für eine stabile Richtfunkstrecke lautet: Freie Sichtverbindung (Line of Sight - LOS). WLAN-Funkwellen auf großen Distanzen sind extrem empfindlich.

  • Auf kurzen Distanzen (bis ca. 100m): Hier kann das Signal oft noch durch ein Holzhaus oder ein Blätterdach dringen, wenngleich mit leichten Verlusten in der Bandbreite.
  • Auf großen Distanzen (ab 250m): Ein absolut freies Sichtfeld ist zwingend erforderlich. Massive Hindernisse wie Betonwände, dichte Baumkronen oder Erhebungen machen einen stabilen Betrieb unmöglich. Zudem muss die sogenannte Fresnel-Zone (der unsichtbare Raum um den direkten Funkstrahl) frei von Störungen sein.

Unser Rat: Montiere die Antennen immer im Außenbereich, idealerweise auf dem Dach oder an einem hohen Mast.


Welches Frequenzband ist das Richtige?

Die Wahl der Frequenz entscheidet über Reichweite und Datendurchsatz.

2,4 GHz – Nur noch im Ausnahmefall

Das 2,4 GHz Band ist heute extrem überlaufen. Da fast jedes Heim-WLAN und Bluetooth-Gerät darauf funkt, kommt es in Stadtgebieten zu massiven Störungen. Wir raten vom Aufbau einer 2,4 GHz Bridge ab, es sei denn, du befindest dich weit draußen auf dem Land und musst ein leichtes Hindernis (z.B. einen Baum) durchdringen.

5 GHz – Der stabile Standard

Das 5 GHz Band ist die absolute Standard-Empfehlung. Es bietet deutlich mehr überlappungsfreie Kanäle, wird weniger von Nachbarnetzwerken gestört und liefert bei modernen ac/ax-Standards reale Datendurchsätze von bis zu 500 MBit/s.

60 GHz – Gigabit-Speed für Profis

Für extrem datenintensive Anwendungen (z.B. 4K-Kameraüberwachung oder Server-Sync) empfehlen wir das 60 GHz Band. Diese Hochfrequenz ermöglicht Gigabit-Datendurchsätze bei extrem niedriger Latenz. Der einzige Haken: 60 GHz benötigt zwingend eine absolut freie und störungsfreie Sichtverbindung, da die Wellen selbst von starkem Regen (minimal) gedämpft werden.


Hardware: Unsere CPE-Empfehlungen

Vergiss Basteleien mit separaten Routern und Antennen. Nutze sogenannte CPEs (Customer Premises Equipment). Das sind wetterfeste Außengeräte, in denen das WLAN-Modul und die Richtantenne bereits optimal vereint sind. Die Stromversorgung läuft bequem über das Netzwerkkabel per PoE (Power over Ethernet).

  • Ubiquiti Networks (Preis-Leistungs-Sieger): Sehr benutzerfreundlich und extrem stabil. Mit dem herstellereigenen airMAX-Protokoll lassen sich hohe Durchsätze erzielen. Empfehlung: NanoBeam 5AC Gen2 (für kurze/mittlere Strecken) oder PowerBeam (für lange Strecken).
  • MikroTik: Der Liebling für Netzwerkprofis, die maximale Konfigurationsfreiheit suchen, z.B. mit dem Wireless Wire Cube (60 GHz).


Die Konfiguration: So einfach geht's

Der Aufbau erfolgt meist im transparenten Bridge-Modus. Das bedeutet, die Funkstrecke verhält sich wie ein unsichtbares, langes Netzwerkkabel.

  1. Komponente A (Access Point Modus): Hier vergibst du die SSID (den Netzwerknamen für die Bridge) und ein extrem sicheres WPA2/WPA3 Passwort.
  2. Komponente B (Station / Client Modus): Dieses Gerät sucht nach der SSID von Komponente A. Gib das Passwort ein, und die Geräte verbinden sich.
  3. Tuning: Aktiviere unbedingt die proprietären Protokolle der Hersteller (airMAX bei Ubiquiti oder iPoll bei LigoWave), um den Datendurchsatz gegenüber dem normalen WLAN-Standard massiv zu erhöhen.

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FAQ: Fragen zur WLAN Punkt-zu-Punkt Verbindung

Darf ich WLAN Richtfunk in Deutschland legal betreiben?

Ja, der Aufbau einer privaten Richtfunkstrecke auf dem eigenen Grundstück oder zwischen eigenen Firmengebäuden ist im 2,4 GHz, 5 GHz und 60 GHz Band anmelde- und gebührenfrei, solange du die gesetzlichen Sendeleistungsgrenzen (EIRP) einhältst.

Kann ich mit einer Richtfunkstrecke durch ein Gebäude funken?

Nein. Eine stabile Richtfunkstrecke benötigt freie Sicht (Line of Sight). Massive Gebäude reflektieren das Signal komplett. Versuche, die Antennen so hoch zu montieren, dass sie über das Hindernis hinweg funken können.

Welches Kabel benötige ich für die Außenantennen?

Du benötigst ein hochwertiges, UV-beständiges CAT6 oder CAT7 Kupfer-Netzwerkkabel (Patchkabel) für den Außenbereich. Darüber werden die Geräte per PoE sowohl mit Daten als auch mit Strom versorgt.

Was ist besser: 5 GHz oder 60 GHz?

5 GHz ist extrem zuverlässig und toleriert minimale Hindernisse (z.B. Starkregen oder vereinzelte Äste). 60 GHz liefert Gigabit-Geschwindigkeiten, wie bei einem echten Glasfaserkabel, benötigt aber absolut freie Sicht und ist anfälliger für Wetterextreme.